No Poo bei Locken - Meine Erfahrungen

Mein Erfahrungsbericht über No (Sham)Poo.


Nie wieder die Haare mit Shampoo waschen - Jetzt spinnt die Alte völlig!

Zu aller erst: Mit diesem Beitrag möchte ich niemanden davon überzeugen, kein Shampoo mehr zu benutzen, noch möchte ich bezwecken, dass ihr aufhört euch die Haare zu waschen (um Himmels willen, bitte wascht euch!). Bei meiner eigenen Recherche ist mir allerdings aufgefallen, dass es wenig Berichte über No Poo für Locken gibt, deswegen teile ich in diesem Beitrag meine Erfahrungen. Generell sind die Methoden auch für andere Haarformen anwendbar. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um Empfehlungen. Bitte bedenkt auch, dass jedes Haar, jede Kopfhaut und jeder Mensch anders ist und was für mich super funktioniert, muss nicht für euch gut sein.

No Poo – Was bedeutet das?

Seit über einem Monat wasche meine Haare nicht mehr mit herkömmlichem Shampoo. Auch nicht mit veganem Shampoo oder Haarseife. Seit ein paar Wochen teste ich No (Sham)Poo aus. Dabei handelt es sich um eine Methode, die Haare Schritt für Schritt von künstlichen Chemikalien zu befreien. Ich habe auf zahlreichen Seiten gelesen, dass jedes Haar durch jahrelanges Verwenden von herkömmlichen Shampoos von einer Art „Ummantelung“ bedeckt ist. Verzichtet man auf Shampoos mit Chemikalien, löst sich diese Schicht nach einer Weile und das „richtige“ Haar kommt in seinem vollen Glanz zum Vorschein. Ob das stimmt, kann ich euch nicht sagen.

Meine Haare nachdem ich Sie sechs Tage nicht gewaschen habe: Wie ihr seht habe ich keinen Spliss und meine Haare sind immer noch fluffig.

Wieso mache ich No Poo?

Es gibt genau drei Gründe, wieso ich No Poo ausprobiere:

1. Weniger Plastikmüll

Seit Anfang des Jahres versuche ich meinen Haushalt und meinen Alltag im Allgemeinen, umweltfreundlicher zu gestalten. Vor allem im Badezimmer produziere ich extrem wenig Müll. Ich besaß noch nie viel Schminkzeug, noch hatte ich jemals Abschminkpads zu Hause und mittlerweile auch keine Tampons mehr. Ich habe nicht mal mehr einen Badmülleimer, weil ich ihn nicht brauche. Bei No Poo verwendet man entweder nur Wasser oder natürliche Stoffe zum Haarewaschen, welche nicht zwangsweise in einer Plastikverpackung im Drogeriemarkt gekauft werden müssen. Das war für mich sehr interessant.

2. Natürliche Pflege

Seit mehreren Jahren verwende ich nur naturkosmetische Produkte (Körperseife und Gesichtsöl) und fahre damit sehr gut. Ich habe verschiedene Haarseifen ausprobiert, doch damit war ich nie wirklich zufrieden. Eine Zeit lang habe ich veganes Haarshampoo verwendet, allerdings aus einer Plastikflasche. Bei meiner Recherche stieß ich immer wieder auf No Poo. Die Zutaten sind alle natürlich und auch sehr günstig, sodass ich eigentlich nichts zu verlieren hatte. 

3. Ich bin eine crazy Nudel und probiere gern neue Sachen aus.

Meine Haare direkt nach dem Waschen mit Lavaerde: Sie sind sauber vom Ansatz bis in die Spitzen!

No Poo in 3 Schritten

Schritt 1 – Haare entwöhnen

Zuerst werden die Haare entwöhnt, diese „Phase des Fettens“ dauert bei jedem unterschiedlich lang. Ich habe von zwei Wochen bis acht alles gelesen. Bei mir hat es etwa vier Wochen gedauert. Hierbei handelt es sich meiner Meinung nach um den einfachsten und schwersten Schritt zugleich, denn alles was du tun musst, ist aufhören deine Haare zu waschen. Und ja, meine Haare waren in dieser Phase fettig! Leider gibt es keine Möglichkeit, diesen Schritt zu umgehen. Falls es euch beruhigt: Ich war in dieser Phase ganz normal im Büro mit 500 weiteren Menschen arbeiten, habe außerdem das Firmen-Sommerfest überstanden, war auf einer Hochzeit, einem Geschäftskongress, im Urlaub und auf einem Geburtstag und niemandem ist etwas aufgefallen. Mein Tipp ist: Besorgt euch ein schönes Haarband! Die sind gerade sowieso total im Trend.

Schritt 2 – Bürsten, Bürsten, Bürsten

Es wird empfohlen, ab dem ersten Tag No Poo deine Haare mindestens 100x am Tag zu bürsten. Der Grund hierfür ist, dass dadurch das „Haarfett“, auch Sebum genannt, in die Haarlängen verteilt werden soll. Dies dient als natürliche Pflege und Schutz für dein Haar. Glaubt mir, es klingt ekliger als es ist. Als Lockenkopf habe ich vorher meine Haare fast nie gebürstet, sondern meist nur mit einem großzackigen Kamm durchgekämmt, doch ich mochte das Bürsten von Tag eins. Dazu habe ich mir extra eine Wildschweinborstenbürste gekauft, denn ich habe gelesen, dass diese besonders effektiv Unreinheiten vom Kopf und aus den Haaren und diese „chemische Ummantelung“ entfernen soll. Ob meine Haare sauberer sind als sonst, weiß ich nicht, aber es fühlt sich jedenfalls suuuuper angenehm an und auch mein Freund ist hin und weg von dieser Bürste. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass meine Löckchen irgendeinen Schaden davon genommen haben.

So sieht meine Wildschweinborstenbürste aus. Das ein oder andere Haar bleibt natürlich drin hängen. / ©dontcryonion

So sieht meine Wildschweinborstenbürste aus. Das ein oder andere Haar bleibt natürlich drin hängen. / ©dontcryonion

Schritt 3 – Endlich wieder Haarewaschen 

Es wird empfohlen in der „Phase des Fettens“ nur alle zehn Tage die Haare zu waschen. Ich habe mir alle sieben Tage die Haare gewaschen. Nachdem diese Phase vorbei ist, findest du deinen eigenen Wasch-Rythmus. Je nachdem, was du anstrebst, wäschst du dir deine Haare nur mit Wasser (water only genannt) oder mit einer Alternative.

Meine Haare nachdem Sie getrocknet sind: Sie sind fluffig, weich und locken sich fröhlich!

Die Shampoo-Alternativen

An water only habe ich mich bisher noch nicht gewagt. Auf der Suche nach einer passenden Alternative habe ich drei Sachen ausprobiert:

Haare mit Natron waschen

Natron wird für die Anfangsphase empfohlen. Da es einen anderen pH-Wert als unsere Kopfhaut hat, muss nach der Anwendung mit Natron unbedingt eine Saure Rinse gemacht werden (Näheres zur sauren Rinse weiter unten).

How to: Zum Haarewaschen mit Natron brauchst du pro Waschgang ein bis zwei Esslöffel Natron und etwas Wasser. Du mischst das Natron mit dem Wasser in einem kleinen Schälchen. Diese Mischung habe ich mit meiner Hand auf meinem Haaransatz gut verteilt und einmassiert. Versuche es möglichst nicht in die Haarlängen zu geben, da es die Haare schnell austrocknet. Anschließend habe ich alles mit Wasser gut ausgespült und eine saure Rinse gemacht.

Meine Meinung: Bei der ersten Haarwäsche mit Natron war ich total begeistert. Diese Begeisterung hielt allerdings nicht lange an, denn bereits nach der zweiten Haarwäsche fing meine Kopfhaut stark an zu jucken und ich bekam Schuppen. Ich muss dazu sagen, dass ich sowieso sehr anfällig für Schuppenbildung bin, aber nach der dritten Anwendung mit Natron war es wirklich so extrem wie noch nie. Deswegen musste eine Alternative her. 

Vom Haarewaschen mit Natron bekam ich starken Juckreiz und Schuppen. ©dontycryonion

Vom Haarewaschen mit Natron bekam ich starken Juckreiz und Schuppen. ©dontycryonion

Haare mit Mehl waschen

Ich hatte viel Positives über das Haarewaschen mit Mehl gelesen. Der pH-Wert ähnelt der unserer Kopfhaut, also hatte ich (theoretisch) nichts zu befürchten. Wichtig ist, dass ein Dinkelmehl verwendet wird, denn Weizenmehl klebt zu sehr.

How to: Für die Anwendung nahm ich wieder zwei Esslöffel Mehl und mischte es mit Wasser zu einem Brei. Diesen Mehlbrei verteilte ich wieder auf meinem Haaransatz und massierte alles gut in meine Kopfhaut ein. Ich hatte gelesen, dass Mehl sehr gut ausgespült werden muss, also war ich diesmal besonders gründlich.

Meine Meinung: SCHRECKLICH! Nachdem ich die saure Rinse gemacht und aus der Dusche gestiegen, bin waren meine ganzen Haare mit Mehl verklebt. Ich spülte die Haare erneut mit heißem Wasser aus, aber es nütze nichts. Das Mehl hatte klebrige Klümpchen gebildet und verteile sich über meinen ganzen Kopf! Ich bürstete meine Haare 20 Minuten lang und das Mehl rieselte nach und nach von meinem Kopf. Das war wirklich so eklig. Ich weiß nicht, ob es an meiner Haarstruktur liegt (lockige Haare), aber ich hatte so viel Positives über Mehl gelesen und mein Ergebnis war einfach nur erschreckend. Nie wieder! Ich kann es wirklich nicht empfehlen.

Nach dem Haarewaschen mit Mehl waren meine Haare total verklebt. / ©dontycryonion

Nach dem Haarewaschen mit Mehl waren meine Haare total verklebt. / ©dontycryonion

Haare mit Lavaerde waschen

Als Letztes testete ich Lavaerde aus. Obwohl ich öfter davon gelesen hatte, war ich skeptisch, denn ich vermutete eine große Sauerei. Deswegen lieh mir erst einmal etwas Lavaerde von einer Freundin, die bereits welche zu Hause hatte.

How to: Es werden zwei Esslöffel Lavaerde mit etwas Wasser vermischt. Anschließend habe ich den Brei auf meinem Haaransatz, meiner Kopfhaut und auch in die Haarlängen verteilt. Das Ganze wird mit Wasser ausgespült. Im Anschluss habe ich noch eine saure Rinse gemacht. 

Meine Meinung: Die Anwendung mit Lavaerde fühlt sich sehr angenehm an, ähnlich wie eine Haarkur. Meine Haare waren danach ganz weich und meine Schuppen komplett verschwunden. Ich hatte etwas Bedenken, dass die Lavaerde viel Dreck im Bad hinterlassen würde, doch alle Spritzer, die gegen die Duschfliesen gekommen sind, konnte ich einfach mit warmen Wasser abspülen. Ich bin großer Fan und habe mir gleich selbst welche besorgt. Da ich keine Lavaerde im Internet bestellen wollte, habe ich mir ein Päckchen im Reformhaus gekauft. In herkömmlichen Drogeriemärkten habe ich leider keine gefunden.

So sieht der Lavaerdebrei aus - Das Haarewaschen damit ist sehr angenehm. / ©dontycryonion

So sieht der Lavaerdebrei aus - Das Haarewaschen damit ist sehr angenehm. / ©dontycryonion

Saure Rinse für die Haare

Eine saure Rinse ist eine natürliche Haarspülung mit natürlichem Apfelessig, welche die Haare geschmeidig macht. 

How to: Dazu nehme ich zwei Esslöffel Apfelessig und einen Liter kaltes Wasser. Nach dem Haarewaschen kippe ich mir diese Mischung über meine Haare und massiere Sie gut ein. Anschließend lasse ich alles für etwa 2 bis 3 Minuten einwirken und wasche es mit kaltem Wasser wieder aus.

Meine Meinung: Die saure Rinse macht meine Haare wirklich richtig schön weich und geschmeidig. Zwar riecht es während des Duschens etwas streng, doch sobald die Haare getrocknet sind, ist von dem Apfelessig nichts mehr zu merken.

Natürliches Bio-Apfelessig und Wasser ist meine Haarspülung. / ©dontcryonion

Natürliches Bio-Apfelessig und Wasser ist meine Haarspülung. / ©dontcryonion

Mein Fazit

  • Seit dem ich No Poo mache werden meine Haare nicht so schnell fettig. Ich wasche meine Haare etwa alle fünf bis sechs Tage mit Lavaerde. Ich kämme mir weiterhin jeden Abend 100x mal die Haare und ich mache auch zwei- bis dreimal die Woche Sport, trotzdem fetten meine Haare nicht so schnell wie vor No Poo.

  • Natürliche mache ich diese Methode noch nicht so lang, aber jetzt gerade bin ich sehr begeistert davon und kann vor allem das Haarewaschen mit Lavaerde und eine saure Rinse im Anschluss sehr empfehlen.

  • Beides muss zwar vor dem Haarewaschen erst angerührt werden, doch das geht ganz fix und nach einer Weile entwickelt man eine Routine.

Gern halte ich euch auf dem Laufenden!