Weniger Likes, mehr Authentizität - Instagram schafft Like-Funktion ab

Sind Internet-Fasten, Kontrollsysteme & keine Likes mehr bei Instagram unsere Erlösung?


„Ich habe mir eine Sperre eingestellt. Ich möchte ab jetzt nur noch 30 Minuten am Tag bei Instagram verbringen.“ – Ich, vor etwa einem halben Jahr.

Neben Zuckerfasten wird in unserer Gesellschaft nun auch Internet-Gefastet. Immer öfter verabschieden sich Personen des öffentlichen Lebens oder auch Otto Normalverbraucher für eine gewisse Zeit von ihrer Followerschaft und gönnen sich eine Auszeit vom Internet. Das können ein paar Tage, Wochen oder Monate sein.

Internetabstinenz ist der neueste Trend (und anschließend darüber zu berichten auch).

Wer das nicht allein schafft, der kann sich mithilfe diverser Kontrollfunktionen im Handy eine Auszeit einplanen. Durch Sperrzeiten und Trackingsysteme der Onlinezeiten werden Handybesitzer für die Nutzungsdauer verschiedener Dienste oder Apps sensibilisiert. Kontrollfunktionen fürs Handy, die verhindern, dass wir am Handy hängen. Wie paradox ist das? Doch anders geht es anscheinend nicht.

Offline auf Knopfdruck - für viele nicht so einfach. / © Aleksandar Cvetanovic on Unsplash

Offline auf Knopfdruck - für viele nicht so einfach. / © Aleksandar Cvetanovic on Unsplash

Der Startschuss zur Abhängigkeit viel vor vielen Jahren: Wer hat das spannendste Leben? Wer die meisten Follower? Oder die meisten Likes?

Das Leben leben, ohne Fotos für Instagram zu machen – für viele unvorstellbar.

Bevor wir losgehen, schnell noch ein Selfie. Bevor wir essen, schnell noch ein Foodpic. Bevor ich mir was kaufe, schnell noch eine Instagram-Umfrage. Mit dem Einführen der Storyfunktion im August 2016 wird nahezu alles wichtig genug, um es zu teilen. Instagram macht Spaß, keine Frage. Doch die Freude versiegt, sobald der Druck zu hoch wird und der Spaß durch eine Art verpflichtendes Gefühl „Instagram zu checken“ ersetzt wird.

Die Angst, etwas zu verpassen ist Größer als unser Gesprächspartner gegenüber. Beinahe unterbewusst checken wir mehrmals täglich unser Handy oder teilen Fotos von Kleinigkeiten wie unseren „Morningcoffee“. Keiner sitzt mehr vor dem Fernseher und schaut einfach nur einen Film.

Zwei Bildschirme sind Standard – der des Fernsehers und der Handybildschirm in unserer Hand.

Und genau wie bei Serien wird unser suchtähnliches Verhalten durch neue Apps, Spiele oder Funktionen fortlaufend stimuliert. Doch damit ist nun Schluss, denn neben innovativen Trackingsystemen für Onlinezeiten wird bei Instagram eine neue Like-Funktion getestet – nämlich gar keine Likes mehr! Vor einigen Wochen hatte Instagram schon eine neues Feature herausgebracht, welches die User erlaubt, die Kommentarfunktion abzuschalten. Demnach soll Mobbing reduziert werden und die User selbst bestimmen können, mit welchen Leuten sie interagieren wollen:

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From the head of Instagram, Adam Mosseri (@mosseri): “We know bullying is a challenge many face, particularly young people. We are committed to leading the industry in the fight against online bullying, and we are rethinking the whole experience of Instagram to meet that commitment. We can do more to prevent bullying from happening on Instagram, and we can do more to empower the targets of bullying to stand up for themselves. Today we’re announcing one new feature in both areas. 💙 Encouraging Positive Interactions In the last few days, we started rolling out a new feature powered by AI that notifies people when their comment may be considered offensive before it’s posted. This intervention gives people a chance to reflect and undo their comment and prevents the recipient from receiving the harmful comment notification. 🧡 Protecting Your Account From Unwanted Interactions With Restrict We wanted to create a feature that allows people to control their Instagram experience, without notifying someone who may be targeting them. Soon, we will begin testing a new way to protect your account from unwanted interactions called Restrict. 💛 It’s our responsibility to create a safe environment on Instagram. This has been an important priority for us for some time, and we are continuing to invest in better understanding and tackling this problem.” 💗 To learn more about these new updates, click the link in our bio. Artwork by @heysp

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Den Betreibern von Instagram ist der zunehmende Druck durch das Teilen von Lebensinhalten bewusst. Deswegen suchen sie nicht nur nach neuen, spannenden Story-Funktionen, sondern auch nach Verbesserungen, um die Plattform nutzerfreundlicher zu gestalten. Eine Idee ist das Abschaffen von Likes, was bereits in Kanada, Australien, Neuseeland, Irland, Brasilien, Japan und Italien getestet wird. Dabei verschwindet die Like-Funktion jedoch nicht komplett: Personen, die ein Foto veröffentlichen, können immer noch sehen, wie viele Likes sie auf den Post bekommen. Dahingegen können User die Inhalte zwar noch liken, die Gesamtanzahl der Likes bleibt ihnen allerdings verborgen.

Keine Likes mehr für Insta – ist das die Lösung?

Meiner Meinung nach klingt das sehr spannend.

Das bedeutet, wenn zukünftig keiner mehr meine Bilder liked, dann liegt es nicht an meinem scheinbar langweiligen Leben oder zu wenig nackter Haut, sondern vielleicht einfach nur daran, das ab jetzt nicht mehr geliked wird! Und was bedeutet das für alle professionellen Influencer? Schließlich ist das Influencerdasein mittlerweile ein richtiger Beruf und Instagram schon lange nicht mehr eine einfache Plattform zum Teilen von schönen Fotos. Die Anzahl der Follower wird zwar noch zu sehen sein, doch spielt für Unternehmen einzig und allein die Interaktion der Fans eine Rolle. Follower könnten schließlich auch gekauft sein, wohingegen Likes bares Geld bedeuten.

Ob und wann die Funktion umgesetzt wird, steht noch in den Sternen, doch bis dahin, können wir ja noch ein bisschen Internet-Fasten.