24/7 Social Media - Ist das unser „Real-Life”?

Eine 15-Jährige erzählt uns wie es läuft.


Als junges Mädchen habe ich immer gern die „Großen“ beobachtet, ihre hohen Absätze bewundert und die tollen Frisuren. Später, als Instagram auf den Markt kam, habe ich voller Eifer sämtliche Fitness-Accounts abonniert. Make-up war nie wirklich mein Ding, dennoch vermute ich, dass es dafür auch viele Accounts gibt.

Auch ich bin viel am Handy und bei Instagram unterwegs. / ©Daniel Salaw

Auch ich bin viel am Handy und bei Instagram unterwegs. / ©Daniel Salaw

Schon oft habe ich mit meiner besten Freundin darüber gesprochen, welche psychischen Auswirkungen Instagram eigentlich auf die Nutzer und vor allem Jugendliche hat. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass Instagram überlegt die Like-Funktion abzuschaffen, da es zu hohen Druck bei jungen Leuten führen könne. In einer DAK-Umfrage wurde sogar herausgefunden, dass bereits 100.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland süchtig nach sozialen Medien sind (Leider ist die Originalstudie nicht mehr bei der DAK einzusehen). Kein Wunder!

Wenn sogar ich den Instagram-Druck spüre, wie soll es erst den jüngeren Mädchen gehen?

Gern denke ich mir in solchen Momenten, da sollen sich doch die „Erwachsenen“ drum kümmern. Doch wer sind diese Erwachsenen? Und wieso die Verantwortung abgeben? Fakt ist nun mal, dass es Instagram gibt und über 300 Millionen Menschen TÄGLICH dieses Medium AKTIV nutzen. Junge Menschen schauen sich Sachen von anderen jungen Menschen ab. Sie werden nicht zu einer 50 Jährigen laufen und fragen, welche Po-Übungen sie im Fitnessstudio macht. Nein!

Die Verantwortung liegt bei uns, den jungen Erwachsenen. Der Instagram-Generation.

Um mir selbst ein Bild der Situation zu machen, habe ich eine 15-Jährige interviewt. Da sie noch minderjährig ist, bleibt das Interview anonym, dennoch sind ihre Antworten mehr als echt. Ich bin sehr dankbar, dass sich ein so wundervolles und intelligentes Mädchen für mein Interview bereit erklärt hat und hoffe, dass ihre Worte viele Menschen erreichen werden.

Interview mit einer 15-Jährigen - 24/7 Instagram, ist das die neue Realität?

1. Hand auf’s Herz- Wie viel Zeit verbringst du bei Instagram?

Also im Schnitt so eine halbe Stunde am Tag. Mal mehr, mal weniger.

2. Das ist ja gar nicht so viel. Was machst du denn dort?

Ich poste Bilder, schau mir Stories an und kommentiere Fotos von Leuten die ich kenne, aber auch von welchen, die mir fremd sind. Manchmal chatte ich auch mit Leuten, denn es ist einfacher dort einen ersten Kontakt herzustellen, weil man seine Handynummer nicht rausgeben muss.

3. Hast du auch noch andere Hobbys?

Ja, seit ein paar Monaten gehe jeden Freitag ins Fitnessstudio.

4. Fühlst du dich durch Fitness-Accounts motiviert?

Hm also ja...Ich fühle mich schon motiviert durch solche Accounts, aber nicht durch alle. Es gibt ein paar, denen ich folge und wo ich mir gern Trainingseinblicke verschaffe, aber ich mach das dann nicht nach. Ich schau es mir nur an und finde es toll. Ich folge auch vielen Seiten die darüber berichten, was man essen sollte und was nicht oder welche Lebensmittel man durch Alternativen ersetzen kann. Das mag ich irgendwie.

Junge Leute wollen wissen, wie gesund gegessen wird. Ohne Fitness-Schnick-Schnack. / ©Daniel Salaw

Junge Leute wollen wissen, wie gesund gegessen wird. Ohne Fitness-Schnick-Schnack. / ©Daniel Salaw

5. Und was magst du nicht bei Instagram?
Accounts, wo die Mädels die ganze Zeit nur posen und irgendwelche Avocado-Vollkorntoasts essen.

Ich mag generell keine Accounts, wo gesagt wird, ich solle das oder das essen. Da denke mir dann immer: „Ich muss schon mal gar nichts!”

6. Aber fühlt es sich gut an, wenn du dir Influencer-Stories anschaust?

Ja, teilweise schon. Aber was ich gar nicht mag sind Fitness-Leute, die irgendwas erzählen wie beispielsweise von einem Tee zum Abnehmen für 50 Euro und der Meinung sind, das macht sonst was mit meinem Körper. Oft sind das nur überteuerte Produkte, die einfach nichts bringen und nur gezeigt werden, weil die Geld dafür bekommen. Das nervt richtig.

7. Wieso schaust du dir dann so etwas an?

Manchmal stöbere ich einfach so rum. Man bekommt ja regelmäßig neue Sachen vorgeschlagen und diese Sachen schau ich mir dann an. Oft folge ich den neuen Accounts aber nicht.

8. Erwischst du dich ab und zu, wie du dich bei Instagram anders, als im „Real-Life“ darstellst?

Ich lade ja auf Insta nur Bilder hoch und erzähle nicht in einer Story wie mein Tag so war. Aber klar, auf den Bildern zeige ich mich von meiner besten Seite. Ich steige nicht aus dem Bett mit zerzausten Haaren und mach dann ein Foto in meinem Schlafanzug.

Logisch, dass man nur das Beste von sich preisgibt.

Vorher-Nachher Vergleich, wenn ich mich schminke. Ist Instagram der verschleierte Blick auf die Realität? / ©dontycryonion

Vorher-Nachher Vergleich, wenn ich mich schminke. Ist Instagram der verschleierte Blick auf die Realität? / ©dontycryonion

9. Fühlst du dich manchmal durch Instagram unter Druck gesetzt?

Früher ja, mittlerweile nicht mehr. Damals hatte ich keine Ahnung und dadurch habe ich mir irgendwie viel sagen lassen. Ich habe mich nicht richtig informiert, sondern nur irgendwas von einer Person aufgeschnappt.

Ich habe gedacht, genau so muss ich das machen und wenn ich das nicht so mache, dann schaffe ich nichts.

10. Hast du Vorbilder oder Idole?

Nein eigentlich nicht. Generell hatte ich noch nie den Wunsch jemand anderes zu sein oder jemandem zu ähneln. Es ist eher so, dass ich Leute auf Insta sehe, die einen schönen Bauch, schöne Beine oder einen schönen Po haben und mir dann denke, dass hätte ich auch gerne. Aber es ist nicht auf eine konkrete Person bezogen. 

11. Freust du dich, wenn du viele Likes bekommst?

Ja, darüber freue ich mich schon. Wobei es mir nicht wichtig ist, dass fremde Menschen meine Bilder liken, sondern meine Freunde, die ich auch im „Real-Life“ sehe und dann like ich auch zurück.

12. Benutzt du noch andere soziale Plattformen außer Instagram oder Youtube?

Ja, ich habe auch Snapchat und TikTok. Bei Snapchat lade ich aber nur ein paar Bilder hoch und sammle keine Flammen mehr. TikTok nutzte ich eigentlich nur, um mir Videos anzuschauen.

13. Oma-Alarm! Was bedeutet Flammen sammeln bei Snapchat?

Wenn man sich regelmäßig Bilder mit anderen schickt, dann bekommt man dafür Flammen, die man sammeln kann. Je mehr Flammen du hast, desto besser. Es ist wie eine Art Spiel, aber man bekommt jetzt nichts dafür oder so. Ich hatte mal 300 Flammen, aber das ist nicht so viel eigentlich.

Vergleich verschiedener Snapchat-Filter - Ist unsere Zukunft nur gefiltert zu ertragen? /©donrycryonion

Vergleich verschiedener Snapchat-Filter - Ist unsere Zukunft nur gefiltert zu ertragen? /©donrycryonion

14. Fühlst du dich durch sowas wie Instagram zugehörig?

Ja, alle meine Freunde sind bei Insta, aber ich würde nicht sagen, dass es ein Muss ist. Es ist einfach was Schönes, weil ich sehen kann was meine Freunde so machen.

Wenn ich kein Insta hätte, gäbe es niemanden der mich ausschließen würde.

15. Was motiviert dich, deine Ziele nicht aufzugeben?

Ein konkretes Ziel ist wichtig. Beispielsweise anstatt: „Ich möchte dünn sein.“ lieber: „Ich möchte 5 Kilo abnehmen.“ Wenn ich mich vor den Spiegel stelle und mir sage ich möchte straffer werden, dann werde ich nie Fortschritte sehen und irgendwann aufgeben, weil man diese Vorstellung nie erreicht.

Es wichtig, dass man sich klare Ziele setzt.

16. Hast du denn auch einen Tipp für uns?

Ich beobachte manchmal, dass Leute im Fitnessstudio ein kleines Büchlein dabei haben und aufschreiben was sie alles erreicht haben. Ich denke, wenn man sieht, was man schon alles geschafft hat, obwohl man noch nicht an seinem Ziel ist, dann hilft das dran zu bleiben. Oder man schreibt sich auf, welche Vorteile es hat, wenn man beispielsweise keinen Zucker mehr isst. Dann hat man es schwarz auf weiß und ist motivierter.