Ich bin kein Fitness-Girl

Vom Sixpack zum Onepack.


Früher bin ich am Tag mindestens 15.000 Schritte gelaufen, trainierte 5x die Woche & aß immer ausreichend Eiweiß.

Ich umgab mich jeden Tag mit Leuten, welche quasi davon besessen waren, ihren Körper den letzten Schliff zu verpassen. Aber auch mit Menschen, die jede Woche 40 Stunden oder mehr im Büro arbeiteten und für die 5x die Woche Fitnessstudio kein Spaßprogramm war.

Zwischen beiden Bildern liegt etwa 1 Jahr und über 4 Kilo Gewichtsunterschied. / ©dontycryonion

Zwischen beiden Bildern liegt etwa 1 Jahr und über 4 Kilo Gewichtsunterschied. / ©dontycryonion

Es ist etwa ein Jahr her, dass ich das Handtuch als Trainerin geschmissen und die Chance als Redakteurin zu arbeiten, ergriffen habe. Nicht nur mein Alltag hat sich seit dem verändert, sondern auch meine Einstellung gegenüber dem „Fitnesslifestyle“.

3,5 Jahre war ich trainerin & habe Trainings- & Ernährungswissenschaften studiert.

Mein berufliches sowie privates Leben drehte sich rund um die Uhr um Sport und gesundes Essen. Ich habe diese Jahre wirklich genossen und hatte viel Freude an meinem Training und meiner Arbeit. Nach dem Studium habe ich allerdings eine neue berufliche Richtung eingeschlagen und verbringe seit dem wie der größte Teil der Bevölkerung 40 Stunden im Büro. 

ich bin jemand, der sich nach der Arbeit zum sport überwinden muss.

Heute erwische ich mich nach Ausreden suchend, wieso ich nicht ins Fitnessstudio gehen kann. Schon längst habe ich mein Sixpack gegen Wohlfühlspeck eingetauscht. Und meine Eiweißshakes gegen Weingläser zum Abendessen. Auf Instagram sehe ich dann alte Gesichter, die mich während meines Studiums begleitet und motiviert durchs Training geführt haben und frage mich, ob ich mich zu sehr gehen lasse?

5 Krafteinheiten a 2 Stunden habe ich gegen 2 x 45 Minuten pro Woche eingetauscht. / ©Daniel Salaw

5 Krafteinheiten a 2 Stunden habe ich gegen 2 x 45 Minuten pro Woche eingetauscht. / ©Daniel Salaw

Als Fitnesstrainerin dachte ich, dass ich die Sorgen und Probleme meiner Kunden verstünde. Mit motivierenden Worten wie: „Denk immer daran, wie gut du dich nach dem Training fühlst!“, oder „Wenn du den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, dann brauchst du die Bewegung jetzt umso mehr!“, spornte ich die Mitglieder an. Rückblickend hatte ich keine Ahnung. Es waren in gewisser Weise leere Worte, denn ich konnte nicht nachempfinden, wieso sie sich zum Training zwingen mussten.

Jetzt kenne ich beide Seiten.

Sicherlich war an meinen motivierenden Worten nichts Falsches und ich bin mir sicher, dass viele meiner Mitglieder froh waren, dass ich ihnen in den Hintern getreten habe. Doch es ist eben nicht immer so einfach, wie es die Trainer und Fitness-Influencer versuchen zu verkaufen. Und meist sind motivierende Worte halt auch einfach nur Worte.

Es ist eben nicht immer einfach…

nach der Arbeit noch ins Fitnessstudio zu marschieren und sein Training motiviert durchzuführen. Es ist nicht immer einfach, auf Kuchen im Büro oder leckere Lunch-Dates in der Mittagspause zu verzichten. Seit ich im Büro arbeite, habe ich einige Kilos zugenommen und mein Training hat sich von fünf auf zwei Krafteinheiten die Woche reduziert. Auch ich muss mich nach der Arbeit ab und zu zum Sport quälen, schruppe mein Training runter mit dem einzigen Ziel einer erfrischenden Dusche hinterher. Endlich kann ich meine damaligen Kunden verstehen.

Zeit für Realtalk - Schon lange habe ich keinen trainierten Bauch mehr! / ©dontcryonion

Zeit für Realtalk - Schon lange habe ich keinen trainierten Bauch mehr! / ©dontcryonion

Durch Instagram sehen mich viele als Fitnessgirl, doch ich selbst sehe mich nicht so.

Auch, wenn ich leidenschaftlich gerne Sport treibe, hat es für mich jetzt eine andere Bedeutung. Natürlich liebe ich Sport und ich esse auch für mein Leben gern Gemüse. Dennoch ist mein Training anders als damals und auch meine Sportsachen sitzen nicht mehr so knackig, obwohl ich meine Ernährung umgestellt und meinem neuen Bewegungspensum angepasst habe. Was waren das für Zeiten, als ich am Tag locker 2.300 kcal verbrannt habe. Heute sind es vielleicht 1.700 kcal. Jetzt umgebe ich mich nicht mehr 24/7 mit trainierenden Leuten, die erschrocken reagieren, wenn ich ihnen von meiner Pizza am Wochenende berichte. Sondern mit Freunden, die gern mit mir Pizza backen oder ein Eis essen gehen. Und das genieße ich. Ich genieße es, einen tollen Beruf gefunden zu haben und meiner Leidenschaft als Redakteurin nachzugehen.

Ich genieße es ohne Druck im Fitnessstudio zu trainieren & Gesund zu kochen. 

Oft denke ich über alte Zeiten nach. Denke zurück an Gespräche mit Mitgliedern und hätte gern die Chance, ihnen zu sagen, dass ich sie jetzt verstehen kann. Ich stöbere durch Fitness-Accounts bei Instagram mit Zero-Schokocremes und bunten Smoothie-Bowls und schaue dann auf mein trostloses Müsli, das ich schnell vor der Arbeit esse. Ich bin mir sicher, dass es viele Menschen gibt, die früh keine Zeit haben für Smoothie-Bowls. Ich auch nicht.

Mit meinem Blog möchte ich Frauen jeder Größe, Farbe und Form helfen. / ©dontcryonion

Mit meinem Blog möchte ich Frauen jeder Größe, Farbe und Form helfen. / ©dontcryonion

Zwischen Fitnesslifestyle, Büroalltag & Instagram…

teile ich hier meine Erfahrungen, Tipps und Rezepte mit euch. Durch weniger leere Worte und ehrlicher Fitspiration, hoffe ich, ein paar der fleißigen Büro-Bienchen motivierend zur Seite zu stehen. Denn ein gesunder Lebensweg ist nicht immer einfach, aber auch kein Grund zum Weinen.