Eine Woche kein Instagram - Meine Offlinezeit-Erfahrung

Ich ging bei Instagram offline, um richtig Urlaub zu machen.


Ich bin dann mal weg – damit verabschiedete ich mich bei meiner Community und startete sieben Tage Instagram-Entzug. Es lag eine Woche Barcelona vor mir und ich wollte den Urlaub so bewusst wie möglich genießen. Keine zehn Minuten später öffnete ich gedankenverloren die App erneut, um meinen Feed abzuchecken. Wow – ich hatte nicht mal zehn Minuten durchgehalten. Ich loggte mich also bei Instagram aus und löschte die App von meinem Handy. Jetzt aber wirklich – sieben Tage Offlinezeit!

Eine Woche kein Instagram ist ja wohl ein Klacks! Nicht.

Direkt in unserem Airbnb angekommen zückte ich das Handy, um meiner Familie über unsere Ankunft zu benachrichtigen. Einmal das Handy in der Hand, tippte ich mit meinem Finger ganz unterbewusst auf die Stelle, wo sich normalerweise die Instagram-App auf meinem Bildschirm befand. Krass! Ich wollte eigentlich gar nicht zu Instagram, aber anscheinend hatte sich das Öffnen der App so routiniert, dass ich normalerweise, ohne nachzudenken, online gehe. Zum Glück hatte ich Instagram ein paar Stunden zuvor gelöscht.

Bereits nach zehn Minuten Offlinezeit öffnete ich ganz unterbewusst wieder Instagram. / © Marten Bjork on Unsplash

Bereits nach zehn Minuten Offlinezeit öffnete ich ganz unterbewusst wieder Instagram. / © Marten Bjork on Unsplash

Situationen, in denen ich unterbewusst die App öffnen wollte, blieben keine Seltenheit. 

Während der ersten zwei Tage dachte ich noch öfter daran, eine Story oder ein Bild von meinem Essen, einer schönen Aussicht oder sonst was zu machen. Am meisten fiel es mir morgens und abends im Bett auf. Für gewöhnlich schaue ich abends zuletzt und morgens zuerst auf mein Handy, um meinen Wecker ein- bzw. auszuschalten. Dabei scrolle ich auch gleich noch einmal durch diverse Instagramfeeds. Jedoch wurde mir diese Routine erst im Urlaub so richtig bewusst. Während meiner Offlinezeit ersetzte ich die Handyzeit im Bett durch ein paar Seiten im Buch, Gespräche mit meinem Freund oder verträumten Blicken aus dem Fenster. 

Ab dem dritten Tag ließ ich mein Handy komplett Zuhause.

Ohne online sein „zu müssen“ fühlte ich mich irgendwie frei. Nach zwei Tagen ließ ich mein Handy sogar komplett zu Hause. Für Notfälle oder Google Maps nahmen wir das Handy meines Freundes mit und selbst das ließen wir bei Strandbesuchen daheim. Wir gewöhnten uns an, einfach die Leute nach der Uhrzeit oder den Weg zu fragen und es funktionierte wunderbar. Einmal bekamen wir dadurch in einem Supermarkt sogar eine tolle Weinempfehlung von einem Einheimischen! Und da es in Barcelona viele Taschendiebe gibt, konnten wir uns ohne Wertsachen sowieso viel freier bewegen.

Ich, abends am Handy - ein Anblick der zur Seltenheit wurde. / © dontcryonion

Ich, abends am Handy - ein Anblick der zur Seltenheit wurde. / © dontcryonion

Ich weiß gar nicht, wer die Auszeit mehr genoss - ich oder mein Freund.

Kleine Foto-Sessions beim Essen oder an irgendwelchen schönen Ecken fielen aus. Natürlich hatten wir unsere Spiegelreflexkamera mitgenommen, um Urlaubsfotos zu schießen, doch das war etwas anderes. Wir schossen die Fotos nur für uns. Manchmal beobachtete ich in den Straßen oder am Strand ein paar Mädels, die Ewigkeiten damit beschäftigt waren, sich in Pose zu stellen und ein Foto zu machen. Mir war das vorher nie so bewusst, aber Instastories machen raubt einem so so so viel Zeit. Selten wird ein einziges Foto mit dem Handy gemacht und direkt bei Instagram hochgeladen. Fotos für Instagram- das bedeutet Stehenbleiben, Fotos machen, Foto auswählen, Filter darüberlegen, Text- und Lied einfügen und anschließend in die Story hochladen. Und das alles für ein Foto, dass sich nach 24 h wieder automatisch löscht. Eigentlich totale Zeitverschwendung. 

Instagram-Entzug im Urlaub ist perfekt!

Das gute an einem Instagram-Entzug im Urlaub ist, dass man viel erlebt und eigentlich sowieso nicht so viel am Handy hängt. Das abendliche Rumgammeln auf der Couch oder im Bett wird durch Strandspaziergänge oder Restaurantbesuche ersetzt. Je nach Reiseziel hat das Handy unterwegs manchmal auch gar keinen Internetempfang. Dadurch, dass ich mein Handy immer zuhause lies, wurde ich weniger abgelenkt und nahm meine Umgebung viel bewusster wahr. Es gab ein paar Momente, bei denen ich wusste, dass wenn ich mich nicht in einer Insta-Auszeit befände, ich bestimmt eine Story davon hochgeladen hätte. Doch so genoss ich jeden Moment einfach nur für mich, ohne ein Foto mit dem Handy zu machen. 

Mein Freund und ich erlebten viele Momente, die wir mit niemandem teilten / © Roberto Nickson on Unsplash

Mein Freund und ich erlebten viele Momente, die wir mit niemandem teilten / © Roberto Nickson on Unsplash

Weniger Instagram sorgt für mehr Intimität.

Das klingt vielleicht seltsam, aber ich fühlte mich meinem Freund auch irgendwie näher. Keine Ahnung, wie ich das genau beschreiben soll, denn es ist nicht so, als würde ich sonst rund um die Uhr bei Instagram sein und gar keine Zeit mit meinem Freund verbringen. Aber ich hatte trotzdem das Gefühl, wir erlebten den gemeinsamen Urlaub anders und nur für uns zwei. Die Fotos, die wir machten, waren wirklich nur für uns oder unsere Freunde gedacht. Natürlich schossen wir auch ein paar Bilder, welche ich später auch bei Instagram hochladen wollte. Doch das war nur ein Bruchteil der Zeit, die wir miteinander verbrachten. Und die ich vermutlich sonst an meinem Handy verbracht hätte.

Nie wieder Urlaub mit Instagram!

Würde ich wieder Urlaub ohne Handy machen? Unbedingt! Meine Erfahrung mit Offlinezeiten während des Urlaubs ist so positiv, dass ich ab jetzt nur noch ohne Instagram reisen möchte. Vermutlich ist es etwas anderes, wenn man geschäftlich an die App gebunden ist, doch für mich ist das Benefit, kein Instagram während meines Urlaubes zu nutzen, viel größer als der Verlust ein paar Follower.