(M)Eine kleine Landromanze - so war mein Tag als „Influencer"


Wahnsinn! Ein Like und ein kurzes Kommentar reichten aus, um Sie zu gewinnen: Eine Landromanze im schönen Brandenburg in Kyritz. Ich glaube das letzte Mal, dass ich etwas gewonnen habe, waren 10 Pfennig bei einem Rubbellos vor etwa 20 Jahren im Lottoladen meines Heimatdorfes. Ich konnte es kaum fassen.

Die Welt der Instagrammer - sieht sie so aus?

Die Romanze startete am Sonntagmorgen am Alexanderplatz, wo ich und 12 weitere Teilnehmer/innen von einem alten Reisebus abgeholt wurden. Die Mädels von muckout, Silvi und Jenny, leiteten das Event und verteilten im Bus für alle liebevoll zubereitete Overnight Oats und regionale Säfte. Als die Räder rollten, saß ich mampfend in meinem gemütlichen Polstersitz, trank Kirschsaft aus einem Papierstrohhalm und beobachtete die Leute. Vermutlich waren einige Influencer mit an Bord, denn es wurde eifrig fotografiert und gepostet. Ich war total aufgeregt. Aber auf eine positive Art. Noch nie zuvor hatte ich an so einem Event teilgenommen. Sah sie so aus – die Welt der Instagrammer?

Silvi und Jenny von muckout / © paulaundnoah

Silvi und Jenny von muckout / © paulaundnoah

Zu schön, um am Handy zu hängen

Wir fuhren direkt ins schöne Kyritz in Ostprignitz. Unser erster Halt war der Sielmann Aussichtsturm inmitten der Kyritz-Ruppiner-Heide. Bei einem frischen Kaffee beobachtete ich, wie die erste Drohne in den Himmel flog und mehrere Fotos geschossen wurden. Kein Wunder, denn die Landschaft war wie gemacht dafür und es dauerte nicht lang, bis ich auch die erste Story bei Instagram postete. Nach den ersten Gesprächen mit anderen Teilnehmern fand ich heraus, dass ich nicht die Einzige war, die mit einer eher bescheidenen Reichweite bei Instagram glänzte. Keine Ahnung wieso, aber es überraschte mich irgendwie und sorgte gleichzeitig dafür, dass ich mich nicht fehl am Platz fühlte.

Die Fahrt ging weiter zur Alten Schule Brandenburg. Das war der Part, auf den ich mich am meisten freute, denn Corinna’s Projekt verfolge ich schon länger bei Instagram. In Eigenregie eine alte Schule sanieren und in ein schönes Eigenheim verwandeln? Wieso nicht. Corinna hat sich den Traum vom Landleben erfüllt und öffnet seit Mai ihre Türen für alle neugierigen Besucher, vorzugsweise Junggesellabschieden. Mit Herzchen in den Augen ging ich durch alle Räume und betrachtete Corinnas Heim. Wer Lust hat, sich morgens ein noch warmes Ei aus dem Hühnerstall zu stibitzen, oder den Tag entspannt in der Hängematte vertrödeln möchte, ist hier genau richtig.

So stellte ich sie mir vor – die kleine Landromanze.

Während ich mit einem Erfrischungsgetränk barfuß durch Corinnas Garten lief, wurden die ersten Handys aufgeladen. Der WLAN-Zugang stand gut sichtbar auf einem Tisch neben den Snacks. Dieser Ort ist viel zu schön, um am Handy zu hängen. Und gleichzeitig war es als Marketingevent konzipiert. Die Mädels wollten zeigen, dass man auch in Brandenburg Urlaub machen oder, ganz speziell in diesem Fall, Hochzeit feiern kann. Kreative Fotoecken, süße Details und verschiedene Locations luden uns dazu ein, diesen Tag mit einem Foto festzuhalten. Die passenden #Hashtags dazu fanden wir auf dem Ablaufplan. War das nun Arbeit oder Freizeit? Ich weiß es nicht.

Wenn das ganze Erlebnis Werbung war, dann die authentischste, die ich je erleben durfte.

Nachdem ich mich durch das Buffet mit hausgemachtem Kartoffelsalat, frischem Brot, verschiedenen Aufstrichen und zahlreichen weiterem Fingerfood probiert hatte, stellte ich unter Anleitung von Silvi und Jenny von muckout meine Kreativität beim Makramee unter Beweis. Dabei unterhielt ich mich mit Silvi über das Event und ihr Business. Zwei Frauen, die sich im tiefsten Brandenburg selbstständig machen – das finde ich sehr inspirierend und ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut. Die beiden bieten verschiedene Kreativitäts-Workshops für Events und Kindergeburtstage an. Ich bin wirklich begeistert davon, wie gut die beiden das ganze Event und unseren Bastel-Workshop angeleitet haben. Denn was Bastelarbeit angeht, gehöre ich eher zur Sorte Mensch, die nach ein paar Minuten frustriert das Handtuch werfen. Meine Stärke liegt eher beim Essen, deswegen schlenderte ich nach dem Makramee in die Küche zum Backworkshop, wo wir niedliche Cupcakes verzierten. Ich bemerkte, dass hier manche der Teilnehmer professionelle Kameras dabei hatten. Aha – hinter diesen Frauen scheint eine hohe Reichweite zu stecken.

Zum ersten Mal habe ich Makramee ausprobiert / © paulaundnoah

Zum ersten Mal habe ich Makramee ausprobiert / © paulaundnoah

Arbeit oder Vergnügen?

Unsere Romanze führte uns weiter zur Insl Kyritz. Nach einem Limetten-Basilikum-Willkommensdrink hatten wir Zeit zum Tretbootfahren, für Standup-Paddling, zum Badengehen oder konnten einfach nur Entspannen. Ich kannte die Insel noch nicht, also startete ich eine kleine Erkundungstour und lies meine Seele auf einer großen Holzschaukel baumeln. Traumhaft! Wer Badengehen, gutes Essen und entspannte Atmosphäre mag, der sollte sich einen Tagesausflug auf die Insl Kyritz nicht entgehen lassen.

Eine Fotokulisse war schöner als die andere und die mühevolle Detailarbeit der Veranstalter machte es mir schwer, das Handy in der Tasche zu lassen. Immer wieder stellte ich mir die Frage: Ist das jetzt Arbeit oder Vergnügen? Den ganzen Tag über konnte ich mich frei bewegen. Es gab keine Verpflichtungen bezüglich der Workshops, den Fotos oder dem Austausch mit anderen Teilnehmern. Obwohl die ganze Zeit ein Fotograf anwesend war, hatte ich nicht das Gefühl, dass mir ständig jemand mit einer Kamera hinterherlief, um Fotos von jeder meiner Bewegungen zu machen. Natürlich wurde auf subtile Weise vermittelt, dass es okay war, Fotos zu machen – doch alles kann, nichts muss!

Die INSL Kyritz ist ein Geheimtipp für einen schönen Tagesausflug / © paulaundnoah

Die INSL Kyritz ist ein Geheimtipp für einen schönen Tagesausflug / © paulaundnoah

Reichweite trifft auf Otto Normalverbraucher

Es gibt bestimmt auch andere Networking-Veranstaltungen, bei denen der Druck, etwas im Gegenzug zu posten oder zu teilen größer ist. Eine DIY-Bloggerin erzählte mir, dass es sogar Influencer gäbe, die sich für die Teilnahme an solchen Veranstaltungen bezahlen ließen. Verrückt! Neben weiteren Bloggern unterhielt ich mich außerdem mit einem Webdesigner, einer freien Journalistin, einer Yoga- und Self-Treatment-Lehrerin sowie verschiedenen Hochzeitsdienstleistern. Sogar eine Finanzbuchhalterin, welche privat bei Instagram Interior-Sachen teilt und nur eine Handvoll Follower hatte, war auf dem Event. Es war wirklich ein bunter Haufenauf der einen Seite die Leute mit Reichweite und hochwertigen Kameras, welche man beim Posen und Fotografieren beobachten konnte. Und auf der anderen Seite Otto Normalverbraucher wie mich, die einfach nur Glück hatten, dass sie einen Tag mit den anderen verbringen durften.

„Wie viele Follower hast du?”

Auf dem Heimweg im Bus machte ich mir immer wieder bewusst, dass nur ein Like und ein Kommentar ausgereicht hatten, um diesen Tag zu erleben. Ich schnappte Gesprächsfetzen wie: „Wie viele Follower hast du?“ oder „Mittlerweile mache ich jeden Tag eine Story“ auf. Diese Welt ist für mich irgendwie nicht greifbar. Es ist ein Business, ganz klar. Und was soll ich sagen - es funktionert! Wann musste ich mich das letzte Mal einen ganzen Tag um nichts kümmern, wurde bespaßt, bekocht, unterhalten, geherzt und das obendrein kostenlos? Ich glaube zuletzt als Kind von meinen Eltern. Da sind ein paar Fotos und eine Handvoll Hashtags das Mindeste, was ich tun kann, um den Mädels zu zeigen, wie großartig die Arbeit von muckout, Alte Schule Brandenburg und INSL Kyritz ist.


Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung. Der Beitragsinhalt besteht nicht im Zusammenhang mit muckout, Alte Schule Brandenburg, INSL Kyritz oder Instagram.
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