Jeden Tag das machen, worauf du Bock hast & damit Geld verdienen - Julius hat es geschafft! - Shoutout Sunday

Julius hat sich seinen Traum erfüllt & lebt von seinem Hobby als Beatboxer.


Julius (chezame_official) und ich kennen uns seit ein paar Jahren. Damals war er noch IT-Student, doch schon immer konnte er seinen Mund nicht still halten und hat irgendwelche komischen Geräusche von sich gegeben. Mittlerweile ist Julius, oder auch Chezame genannt, vierfacher deutscher Beatboxmeister. Er verwaltet neben seinem eigenen Youtubechannel den weltweit größten Beatbox-Youtubechannel: Swissbeatbox und tingelt immer irgendwo in der Welt herum. Ich weiß, dass seine Eltern die Idee zuerst nicht gut fanden, sich das Leben mit Beatboxen zu finanzieren. Doch er hat seinen Traum wahr gemacht und verrät uns sein Erfolgsgeheimnis:

ITler verdienen sehr gut & werden immer gesucht – Wieso hast du dich dagegen entschieden?

Ich habe IT Systems Engineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam studiert. Das ist quasi die beste Adresse für IT in Deutschland. Das Studium war echt sehr gut und wir hatten praxisnahen Unterricht und coole Projekte. Trotzdem habe ich gemerkt, dass der IT-Beruf mir überhaupt keinen Spaß macht

Musiziert habe ich seit meinem 5. Lebensjahr. Mit 15 habe ich dann auch angefangen zu beatboxen und mal hier und da ein paar Auftritte gemacht. Immer, wenn ich auf der Bühne war, hab ich dieses totale Hochgefühl gehabt. Der Alltag in der Uni hat sich im Gegensatz dazu so richtig schwach angefühlt. Da habe ich gemerkt, das Beatboxen das ist, was mich von allem am glücklichsten macht. Zu dieser Zeit habe ich noch gar kein Geld mit beatboxen verdient, außer vielleicht hier und da mal 50 Euro.

Ich dachte, vielleicht sollte ich anfangen daran zu arbeiten, dass dieses Hochgefühl auf der Bühne zu meiner Normalität wird. 

Den Bachelor habe ich noch zu Ende gemacht, aber auch nebenbei mehr Arbeit ins Beatboxen investiert. Ich habe angefangen, an mir zu arbeiten und zu üben. Ich habe analysiert, was die Leute besser machen, die mit Beatboxen Geld verdienen.

War es schon immer dein Traum, vom Beatboxen leben zu können?

Nein, ursprünglich habe ich es immer nur für mich oder meine Freunde gemacht. Ich habe eigentlich nie irgendwie die Ambition gehabt, vor Leuten aufzutreten oder Beatboxen zu meinen Beruf zu machen.

Bis ich selbst in meinem Kopf verankert hatte, dass man vom Beatboxen wirklich leben kann, mussten einige Jahre vergehen.

Die häufigste Frage, die ich gestellt bekomme, ist: „Kann man davon leben?“. Ich selbst habe auch erst sehr spät daran geglaubt, dass man davon leben kann. Und auch eher durch Zufall. Zuerst habe ich angefangen, auf Weihnachtsfeiern oder Geburtstagen zu beatboxen und wurde auch irgendwann mal dafür bezahlt. Es kam eher so Step by Step. Und jetzt ist es mein übelster Traum.

Und wie lebt sich dieser Traum so?

Ich bin super viel unterwegs. Viele meiner Reisen werden mir bezahlt. Ich habe dieses Jahr mit einem Auftrag in Australien und Neuseeland begonnen. Bis Mitte März bin ich dort rumgereist. Dann war ich eine Woche in Polen, danach in Frankreich. Jetzt bin ich viel in Deutschland unterwegs. Nächste Woche bin ich in Graz, danach in Wien. Und dann bin ich in China und Ende des Jahres geht’s noch auf die Philippinen, dann nach Indonesien und vielleicht wieder nach Australien.

Ich lebe ein Künstlerleben und kann mein Leben frei einteilen.

Bis Weihnachten bin ich noch auf Bali und genieße dort meinen Urlaub. Obwohl, Urlaub ist immer schwer zu sagen. Ich sehe das gar nicht mehr so krass getrennt. Irgendwie ist jeder Tag für mich Urlaub und Arbeit. Es ist wie ein fließender Übergang. Ich teile mir quasi selbst ein, wie viel ich arbeiten und wie viel ich üben möchte oder woran ich üben möchte. 

 Was war die größte Hürde, die du auf deinem Weg zum erfolgreichen Beatboxer überwinden musstest?

Das ist eine sehr schwere Frage. Ich hab jetzt keine klassische Superhürde. Ich würde sagen, die größte Hürde ist, sich erst einmal ein Netzwerk mit Leuten aufzubauen, die dich buchen. Damit meine ich nicht, bekannt zu werden. Ich bin auch in keinster Weise berühmt. Eher ein Netzwerk aus Leuten zu haben, die Beatboxer buchen und die wiederum Leute kennen, die auch Beatboxer buchen. Da bin ich aber selbst noch lange nicht an dem Punkt, an dem ich gerne sein würde.

Eine ständige Hürde ist außerdem, sich immer weiter zu entwickeln, immer besser zu werden & die Show ständig neu zu gestalten.

Jede Show muss neu erlebt werden. Außerdem bin ich als Beatboxer extrem abhängig vom Soundsystem und der Aufstellung des Technikteams. Manchmal geht eine Show gut, aber manchmal halt auch nicht. Auch ein Manager wäre sehr hilfreich. Also falls das jetzt jemand liest, der gern Artisten betreut – ich bin sehr offen für einen Manager, der sich überall für mich bewirbt wie auf Festivals. Ich mag Social Media, aber Leute anschreiben oder einfach den ganzen Papierkram zu erledigen, das ist nicht so meins.

Was würdest du sagen, ist das Wichtigste, wenn man sich mit so einem besonderen Traum selbstständig machen möchte? 

Das Wichtigste ist: Glaub einfach daran, dass es klappen wird! Und das meine ich auch überhaupt nicht kalenderspruchmäßig. Wenn du irgendeine Fähigkeit oder Idee hast, egal wie verrückt sie auch sein mag, kannst du damit Geld verdienen. In den 2-3 Jahren als Beatboxer habe ich so viele Leute kennengelernt: Improvisationsschauspieler, Zeichner, Moderatoren oder einfach Leute, die gerne auf einer Bühne quatschen. Es gibt so viele Sachen. 

Egal wie verrückt die Idee ist, es gibt immer Leute, die sich dafür interessieren!

Und auch wenn du erst auf dem Weg bist, gibt es massig Leute, die sich für deinen Weg interessieren. Beispielsweise ist es ein Unterschied, ob Michael Phelps das Schwimmen erklärt oder ein Schwimmlehrer. Der Schwimmer ist doch viel näher an der Materie dran. Für andere ist genau deswegen deine Entwicklung oder dein Weg so interessant.

Dokumentiere immer deinen Weg & lass andere daran teilhaben!

Ich würde ich auch jedem das Buch von Gary Vaynerchuk „Crushing it“ empfehlen. Darin erklärt er, dass wenn du irgendwas hast, was du magst, du es monetarisieren kannst. Es gibt echt tausend Sachen, aus denen du irgendwie Geld rausziehen oder dein Leben finanzieren kannst. 

Beobachte Analogien des Lebens & wende Sie auf deinen Traum an!

Ein Beispiel: Es gibt noch niemanden, der sein Geld mit Beatboxen verdient, aber es gibt Jongleure, die ihr Geld in Shows verdienen. Dann könntest du ja in den Shows auch Geld mit Beatboxen verdienen, oder? Ja, kannst du! Du kannst du das Konzept von anderen einfach übernehmen. Improvisationsschauspieler geben Workshops über Improvisationsschauspiel – kannst du das gleiche für Beatbox machen? Ja, kannst du! Weil es bestimmt Leute gibt, die gerne Beatboxen lernen möchten. Und zack, hast du deine nächste Einnahmequelle. 

Es gibt unendliche Möglichkeiten, nur man wird nie darauf gebracht.

Man hat immer diese klassischen Berufe im Kopf wie Lehrer, Anwalt, Arzt oder jetzt im Trend: Fitnesstrainer und Coach. Da weiß man sofort, was derjenige macht. Aber diese anderen Menschen existieren auch. Leute, die mit Ihrem Hobby Geld verdienen. Also an alle die irgendwas Komisches können und damit Geld verdienen wollen: Probiert es! Macht es einfach! Findet kreative Wege, wie ihr damit Geld verdienen könnt.

Julius sagte mal zu mir: “Du hast Potenzial!”, und veränderte damit vielen in meinem Leben. / ©dontycryonion

Julius sagte mal zu mir: “Du hast Potenzial!”, und veränderte damit vielen in meinem Leben. / ©dontycryonion

Was möchtest du den Lesern mit auf den Weg geben?

Da gibt es gleich zwei Sachen: 

Zum Ersten ein Zitat von Jim Carrey: „Du kannst mit Dingen scheitern, die du nicht möchtest, also kannst du genauso gut Dinge wagen, die du gerne tun würdest.“ Wäre ich damals ITler geworden, weil mir das Risiko als Beatboxer zu hoch ist, dann hätte ich am Ende genauso versagen können. Nur dann hätte ich nicht mal versucht, dass zu machen, was mich wirklich glücklich macht. 

Ich würde dir immer empfehlen, erst deiner Passion zu folgen & wenn du scheiterst, dann kannst du immer noch die andere Sache machen.

Und da ist es scheißegal, wie alt du bist. Du kannst auch noch mit 30 oder 40 etwas Neues anfangen. Denn wenn du es schaffst, deine Leidenschaft zum Beruf zu machen, dann ist das eine Befreiung. Das ist pures Glück!

Und die zweite Sache, die immer sehr, sehr unterschätzt wird: Es geht darum, wie gut du bist. Wenn du gut in einer Sache bist, dann wird die Anerkennung dafür kommen. Und das meine ich zu einhundert Prozent. Das habe ich selbst schon erlebt. Man sieht immer wieder, wie aus dem nichts jemand kommt, der über krass ist. Der quasi über Nacht zum Star wird. Das ist aber meist nicht über Nacht, sondern jahrelange Arbeit und Perfektion seines Talentes oder Hobbys. Wenn du immer übst und nie Jobs hast, aber trotzdem der krasseste Sänger bist, dann wird irgendwann der Job kommen. 

Wenn du es jetzt noch nicht schaffst, dich mit deinem Traumjob über Wasser zu halten, dann versuche, einfach immer besser zu werden. Dann bekommst du irgendwann so krasse Aufträge rein. Und auf einmal bist du erfolgreich.

Das sage ich mit hundertprozentiger Überzeugung. Selbst, wenn ich jetzt noch 4 Jahre, oder 5 Jahre oder selbst noch 10 Jahre arbeiten müsste, um an diesen Punkt zu kommen – ich würde es immer noch machen. Es gibt einfach nichts Krasseres, nichts Schöneres, als von einem Beruf zu leben, der dich erfüllt und jeden Tag das zu machen, worauf du Bock hast!